Lärm macht krank! - Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark


"Sind Kindergeräusche wirklich Lärm?"

Um diese Fragestellung vielseitig zu beleuchten, informierten Lärm-SpezialistInnen aus Österreich und Deutschland im Rahmen des „17. Internationalen Tages gegen Lärm“  am 29. April 2014, im Großen Saal der Landesbuchhaltung in Graz über die aktuelle Situation bezüglich "Kindergeräuschen" und standen in einer offenen Publikumsdiskussion den über 130 interessierten TeilnehmerInnen für Fragen zur Verfügung.

Kindergeräusche sind kein Lärm, aber …

Das Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark hat im Auftrag vom Land Steiermark, dem Umweltamt der Stadt Graz und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft internationale ExpertInnen eingeladen, um anlässlich des „17. Internationalen Tages gegen Lärm“ dieses Konfliktthema zu diskutieren. Eröffnet haben das Symposium die Grazer Kinderbürgermeisterin Alexandra Lang und der Kinderbürgermeister Robin Fischbacher. Das Grazer Kinderparlament wünschte sich, dass Kinder frei und ungezwungen spielen können, aber auch, dass sie die Chance bekommen, in einem ruhigen Umfeld wie im Wald oder auf einer Wiese einfach Kind sein zu dürfen. Anschließend eröffneten LAbg. GR Peter Samt und Stadträtin Lisa Rücker das Symposium. Das Symposium umfasste fünf spannende Impulsvorträge und mündete in einer angeregten Publikumsdiskussion zum Thema.

Hans-Peter Hutter (Medizinische Universität Wien, Institut für Umwelthygiene, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie – Schwerpunkt Umweltmedizin) unterstützte diesen Wunsch indem er klarstellte, dass sich Kinder so viel wie möglich im Freien bewegen müssen, da dies für eine gesunde Entwicklung entscheidend ist. Bewegungslosigkeit führt zu negativen Auswirkungen, wie z.B. zu motorischen Defiziten im Erwachsenenalter. Dabei darf aber auch nicht vergessen werden, dass starke und/oder permanente Lärmeinwirkungen (leider auch von Kindern verursacht) zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bzw. Krankheiten wie Konzentrationsstörungen, Leseschwäche, Sprachentwicklungsstörungen, Schlaflosigkeit bis hin zum Herzinfarkt führen können, so Hutter weiter.

Neben schallmindernden Maßnahmen bei Bauvorhaben und Kinderspielplätzen, die von Bernd Kögel (Technischer Geschäftsführer Lärmkontor GmbH, Hamburg) vorgestellt wurden, soll es bei dieser Thematik auch um die richtige Platzwahl für Kinderbetreuungseinrichtungen und Spielflächen gehen. Nicht zuletzt ist Lärm auch für Kinderohren schädlich, was auch mehrfach in der anschließenden Publikumsdiskussion angesprochen wurde.

Eine Gesetzesnovelle soll Klagen gegen Kinderlärm praktisch unmöglich machen, wie Erika Wagner (Institut für Umweltrecht und Institut für Zivilrecht der Kepler-Universität Linz) betonte, denn Kinderlärm ist laut Gesetz „grundsätzlich als keine wesentliche oder ortsunübliche Beeinträchtigung“ einzustufen. In Deutschland ist man da bereits einen Schritt weiter. Kinderlärm ist seit 2011 bereits vor dem Gesetz gegenüber allen anderen Lärmquellen privilegiert, so Franz-Josef Feldmann (Berater des Deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Bonn). Kinderlärm von Kinderbetreuungseinrichtungen und Spielplätzen darf im Regelfall nicht mehr als Belästigung beurteilt werden.

Gerade in Städten ist es in den letzten Jahren enger geworden und der Lärm (Verkehrslärm, Baulärm) nimmt immer mehr zu. Parallel dazu werden die Freiflächen für Kinder immer weniger und Kinderbetreuungseinrichtungen werden heutzutage ganztägig genutzt, gab Kögel zu bedenken. Lärm ist eine von der persönlichen Situation abhängige Empfindung, erklärte Hutter, und Kinderlärm stellt oft „den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“ dar. Bevor ein Streit eskaliert, sollte man freiwillig die Hilfe von MeditatorInnen suchen. Ein Rechtsstreit ist meist lang, teuer und kann das Problem in den seltensten Fällen lösen, so Anna-Maria Freiberger (Generalsekretärin der Anwaltlichen Vereinigung für Mediation und kooperatives Verhalten, Rechtsanwältin und Mediatorin, Wien).

Conclusio

Leider haben nur allzu viele Erwachsene vergessen, dass sie selbst einmal Kinder waren und sich damals auch mit schimpfenden NachbarInnen herumschlagen mussten. Einstimmig erklärten alle ReferentInnen, dass Kindergeräusche keinen Lärm darstellen, dass aber Toleranz und ein respektvolles Miteinander gefordert sind.

Impulsvorträge

  1. „Schalltechnische Ist-Situation in Deutschland und deren Entwicklung bezüglich Kindergeräusche“ (Dipl.-Ing. (FH) Bernd Kögel, Technischer Geschäftsführer Lärmkontor GmbH) PowerPoint-Präsentation
  2. „Die rechtliche Situation in Deutschland“ (Dr. Franz-Josef Feldmann, MA a.D., Bundesministerium für Umwelt , Bonn ) Vortrag
  3. „Rechtliche Rahmenbedingungen in Bezug auf Kinderlärm in Österreich“ (Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Erika Wagner, Vorständin des Instituts für Umweltrecht und Leiterin der Abteilung Umweltprivatrecht am Institut für Zivilrecht der Kelper Universität, Linz) PowerPoint-Präsentation
  4. „Medizinische und psychologische Aspekte zur Situation in Österreich“ (OA Assoz. Prof. PD. Dipl.-Ing. Dr.med. Hans-Peter Hutter, Medizinische Universität Wien)
  5. „Positive Beispiele aus der Mediation“ (Mag.a Anna-Maria Freiberger, Generalsekretärin der Anwaltlichen Vereinigung für Mediation und kooperatives Verhalten, Österreich) PowerPoint-Präsentation

Moderation: Dr. Uwe Kozina, Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark

Ausstellungen der Ärztekammer für Stmk. und der Fa. Neuroth zum Thema Lärm im Veranstaltungs­bereich rundeten das Angebot ab.

Hier können Sie sich auch noch die Abstracts der Vorträge als pdf downloaden

Symposium Poster (PDF-Dokument, 3.4 MB)

 

Video zum Symposium

 

Diese Veranstaltung wurde finanziell unterstützt vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.